Gestalttherapie und -Beratung
 

Häufig höre ich: "mich plagt mein schlechtes Gewissen". Neulich war sogar eine ganze Seite in der "Süddeutschen Zeitung" diesem Thema gewidmet. Von früher kenne ich dieses "schlechte Gewissen" sehr gut. Heute weiß ich damit umzugehen!

Was ist eigentlich dieses Gewissen? Früher dachte ich, es sei die "Stimme Gottes" in meinem Kopf. Aus meiner Gestaltausbildung weiß ich, dass es hauptsächlich aus "Introjektionen" besteht, wie die Gestalttherapie sagt; die Transaktionsanalytiker sprechen vom "Eltern-Ich". Allgemein gesprochen handelt es sich dabei um "unverdaute" Übernahmen von Glaubenssätzen der Kirche, der Eltern, der Lehrer oder anderer "Autoritäts-Instanzen". Das "schlechte Gewissen" entsteht dann durch die Abweichung meines realen Handelns von diesen "Glaubenssätzen". Zur Beruhigung hatte dann die katholische Kirche das "Sakrament" der Beichte, in der ich "meine Sünden" dem "Beichtvater" (Priester) "bekannte", er mich dann von meinem "schlechten Gewiissen" durch Buße und Verzeihung von meinen "Sünden" befreite.

Dieses "Ritual" war erst mal Befreiung, hielt aber leider nicht so lange (die "Versuchungen des Teufels" waren vielfältig in meiner Jugend).

Ín der Gestalttherapie mache ich das "schlechte Gewissen", wenn dieses Thema bei meinem Klienten auftaucht, erst einmal durch Rückspiegelung bewußt, und frage nach dem damit verbunden Gefühl und dem dahinterliegenden Glaubenssatz. Ist das momentan ein Thema für meinen Klienten lade ich das "Gewissen" ein, in den Raum einzutreten und biete ihm einen Stuhl oder ein Kissen ("Kissenarbeit") an. In der Einzelsitzung "spielt" der Klient beide Rollen und wechselt auf meine Anweisungen hin. Dabei unterstütze ich die beiden Seiten durch "Doppeln", indem ich gewisse Sätze vorgebe. Der Klient prüft, ob sie für ihn stimmen und setzt sich damit auseinander. Im Experiment werden auch die damit verbunden Gefühle und evtl. frühere Verletzungen (Traumata) spürbar. Wenn ich merke, das wird jetzt zu heftig für meinen Klienten gehe ich dann erst mal auf die "sichere Seite" zurück und stärke sein "Selbst-Wert-Gefühl".